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Sommersemester 2015

Welche Öffentlichkeit

Welche Öffentlichkeit?

 

Seminar Master/Diplom

donnerstags, zweiwöchentlich

14.30 Uhr, Raum 211

Das Seminar ist auch für Studierende der Kunstgeschichte offen.

 

Prof. Dr. Georg Vrachliotis

Dipl.-Ing. Bernita Le Gerrette

Einführung: 16.April

 

Öffentlichkeit ist ein sozial und kulturell konstruierter symbolischer Raum der Kommunikation und gilt als eine der wertvollsten Grundlagen für Aufklärung und Demokratie. In Architektur und Stadtplanung spielen öffentliche Räume eine große Rolle  — als frei zugängliche und gemeinschaftlich nutzbare Bereiche, Orte und Plätze für Proteste, Veranstaltungen und der kollektiven Sichtbarkeit. Öffentlichkeit ist jedoch kein universelles Prinzip, sondern ein zivilgesellschaftliches Ideal, dessen Wert für die Gesellschaft immer wieder neu ausgehandelt, bestimmt und hinterfragt werden muss. Theodor Adorno schlägt 1964 in einem Gespräch mit Adolf Gehlen deshalb vor, Öffentlichkeit als einen Funktionsbegriff zu verstehen, der kein vorhandenes Ding bezeichnet, sondern vielmehr die Forderung umfasst, dass grundlegende gesellschaftliche Interessen öffentlich gemacht werden. Es gehe darum, Öffentlichkeit „zu definieren, ohne sie zu definieren“.

 

Heute haben wir es mit global vernetzten Raumvorstellungen einer digitalen Öffentlichkeit zu tun. Das Bild der Gegenwart erscheint fragmentierter in dem gleichen Maße wie unser Denken als ungeduldiger und assoziativer wahrgenommen wird. Einerseits eröffnen die digitalen Sphären neue Freiräume der Meinungsäußerungen und des Diskurses. Andererseits werden wir mit einem immer größeren Ausmaß an Kommerzialisierung und Kontrolle konfrontiert. Was sind also öffentlichen Räume heute und was sind ihre Potentiale? Welche gesellschaftlichen Ideale sind mit welchen Raumtheorien verbunden? Und welchen Einfluss hat die sogenannte digitale Öffentlichkeit auf die Architektur?

 

Das Seminar widmet sich unterschiedlichen Theorien und Debatten der Öffentlichkeit aus Architektur, Philosophie und Soziologie — von den 1960er Jahren bis zur Gegenwart. Die Veranstaltung ist als intensives Lektüre- und Diskussionsseminar konzipiert.

 

Architekturen des Speicherns

Architekturen des Speicherns

 

Seminar Master/Diplom

dienstags, zweiwöchentlich

14.30 Uhr, Raum 211

Das Seminar ist auch für Studierende der Kunstgeschichte offen.

 

Prof. Dr. Georg Vrachliotis

Dipl.-Ing. Manuela Gantner

Dipl.-Ing. Meike Weber

Einführung: 14. April

 

Architektur verkörpert eine der zentralen Denk- und Wissensformen unserer Gesellschaft. Räume fungieren als kulturelle Gedächtnisse von Erfahrungen, Ereignissen und Erkenntnissen— als performative Orte des Überlieferns und Erinnerns. Aus der bis in die Renaissance zurückreichende Geschichte der Gedächnitstheater wird deutlich, dass die Verräumlichung von Wissen immer auch mit dessen Inszenierung und der Entwicklung von komplexen Erzählungen einhergeht.

Heute prägen Vorstellungen von unbegrenzten Speicherkapazitäten das gedächtnistheoretische Bild der Gegenwart. In der „Post-Snowden-Ära“ ist der Begriff des Speicherns zu einem Synonym für das automatisierte Ansammeln und Auswerten von gewaltigen, von uns selbst produzierten Datenmengen geworden. Informationsfragmente werden fortwährend generiert, gespeichert, wieder abgerufen, aktualisiert und erneut gespeichert — ein scheinbar endloser Kreislauf des Codierens und Umcodierens von Geschichte und Gegenwart. An was und in welcher Form wir uns in Zukunft erinnern werden ist somit nicht nur davon abhängig, wer die Speichermedien organisiert und kontrolliert, sondern auch, in welchem Medium unsere Erlebnisse transportiert und tradiert werden. Was auf „tausenden von Computern übertragen, kopiert und durch ständige Wiederholung Teil unserer Alltagwelt wird, stabilisiert sich selbst und wird schließlich zu einem kulturellen Sediment des Systems“ (Georg Trogemann). Doch wie verändern aktuelle Entwicklungen des Speicherns das Denken über Raum und Erinnerung, Gedächtnis und Gesellschaft? Welche Rolle spielt Architektur als Medium der kulturellen Wissensspeicherung? Und welche Narrative kann Architektur in Zeiten von Big Data liefern?

 

Das Seminar setzt sich mit dem Begriff und der Metapher des Speicherns auseinander und diskutiert raum- und gedächtnistheoretische Texte und Konzepte aus Architektur, Kunst, Technik und den Wissenschaften. Die Veranstaltung ist als intensives Lektüre- und Rechercheseminar konzipiert.