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Ähnlichkeit: Prozesse und Formen. Mimetische Praktiken in der neueren Architektur



Mimetische Praktiken und Techniken sind in der Architektur und ihren Diskursen allgegenwärtig. Bereits Vitruv erklärte die Entstehung der Architektur weitgehend mimetisch. In der Folge bot der Vitruvianismus des 15. bis 18. Jahrhunderts mimetischen Konzepten breite Entfaltungsmöglichkeiten, wobei die Nachahmung der Natur in der Regel über die Aneignung antiker Vorbilder erfolgte. Zur Topik der Selbsterklärung von Architekten gehört bis heute, ihren Entwurfsprozess mit dem Rekurs auf etwas vorzugsweise in der Natur Vorgefundenes zu erklären.

Praktiken des Zitierens, Kopierens, der Montage, des Remakes und der Mimikry sind gängige Verfahren im architektonischen Alltag. Dennoch ist das Paradigma der Originalität bis heute beherrschend, es verstellt oft den Blick auf mimetische Phänomene und dies, obwohl im Zeichen von Re-Semantisierung und Identitätskonstruktionen Phänomene wie

Rekonstruktionen, Kopien oder Neubauten in historisierenden Formen allgegenwärtig sind. Darüber hinaus blieb bisher weitgehend unberücksichtigt, dass sich seit dem 18. und 19. Jahrhundert das Verständnis architektonischer imitatio naturae vom Motivischen zum Prozessualen gewandelt hat. Doch worauf nimmt der Entwurfsprozess eigentlich Bezug, wenn nicht mehr vorgefundene Gegenstände (natura naturata), sondern die Algorithmen selbst (cultura culturans) als Vorbilder und Determinanten dienen? Für die neuere westliche Architektur ist es vor diesem Hintergrund symptomatisch, dass das Spektrum der klassischen Analogiebildungen um Begriffe wie Naturgeschichte, morphing, folding und Autopoiesis erweitert wurde. Die damit skizzierten Konzepte architektonischer Mimesis ließen sich unter folgenden Stichworten in einem größeren Horizont zusammenfassen: Anthropometrie und Vitruvianismus, Kritik der Mimesis und Krise der Repräsentation, algorithmisches und parametrisches Entwerfen, Architekturgeschichte als Naturgeschichte, Nachahmung der Technik und Techniken des Nachahmens.

 

Die Tagung widmet sich auf der Grundlage dieser sich historisch überlagernden Paradigmen der Untersuchung von Nachahmungsstrategien in der Architekturtheorie und Architektur des 20. und 21. Jahrhunderts. Das Spektrum reicht von Rekonstruktionen oder historisierenden Neubauten, der Verwendung von Spolien bis zur Mimikry natürlicher Veränderungsprozesse oder der Interpretation des architektonischen Körpers als kybernetischen Organismus.


Organisation:

Prof. Dr. Hans-Rudolf Meier; Dr. Eva von Engelberg, Bauhaus-Universität Weimar

Prof. Dr. Carsten Ruhl; Frederike Lausch, M. Sc., Goethe-Universität Frankfurt am Main

Prof. Dr. Markus Krajewski, Universität Basel