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Sommersemester 2012

This is Tomorrow - Die Entdeckung des Alltags und die Erfindung der Zukunft
This is Tomorrow

Das Interesse an einer den technischen Geräten gemäßen Architektur in den 1950er und 1960er Jahren entwickelte sich aufgrund der massenhaften Verbreitung von Haushaltsgeräten und -apparaten in den Industrieländern der Nachkriegszeit. Es entstanden populäre Ausstellungen, in denen vermeintlich ideale Wohnformen präsentiert wurden, etwa die „Ideal Home Exhibition“, eine Ausstellungsreihe, in der regelmäßig Modellhäuser, Möbel, Einrichtungen, Objekte und neuartige Haushaltsgeräte präsentiert wurden. Daneben wurden immer wieder auch Visionen für die Zukunft des Wohnens entwickelt. Die Frage, wie der Mensch in einer Gesellschaft des zunehmenden Konsums und der Massenproduktion zukünftig wohnen würde, rückte in den Mittelpunkt. In diesem Zusammenhang entwickelte die Independent Group - eine lose Vereinigung von Künstlern, Architekten und Intellektuellen – 1956 in der Whitechapel Gallery in London die legendäre Ausstellung „This is tomorrow“. Die Betrachtung der Zukunft sollte mit den Mitteln der Kunst und ihrer Integration in den Alltag freie Assoziationen ermöglichen und festgeschriebene Betrachtungsweisen aufbrechen. Ziel war eine künstlerische und poetische Auseinandersetzung mit der Alltagswelt und ihren Phänomenen. In diesem Zusammenhang nahm jene Strömung ihren Anfang, die als „Pop Kultur“ Geschichte machte und hinter dessen Kürzel -„Pop“ - sich nicht nur eine bunte Ästhetik des alltäglichen und medialen Konsums verbirgt, sondern auch Formen einer heterogenen Gegenkultur und der Subkultur.

Heute, knapp 50 Jahre später hat sich in der Architektur ein breites Spektrum an unterschiedlichen Zukunftsszenarien etabliert - Gebäudeautomation, Energieprogramme, Smart Houses, aber auch sogenannte wissenschaftliche Prognosen, die „Natur“ einerseits als technisch reproduzierbares Material präsentieren und andererseits als knappe Ressource verehren, die es zu schützen gilt. Es ist, als würden wir einem Überangebot an Zukunftsvorstellungen gegenüberstehen.

Im Seminar wollen wir deshalb erneut nach Zukunftsbegriffen in Architektur und Kunst fragen. Von welchen Zukunftsbildern gehen wir heute aus? Welche Rolle spielt die Technik bei der Formulierung dieser Bilder, welche die Politik? Sind Zukunftsbilder per se „technische Bilder“? Wer produziert heute „Zukunft“ und welche Rolle spielen Architekten in diesem Produktionsprozess? Wie verlaufen die Grenzen zwischen technischem Fortschritt und Alltag?

Die Veranstaltung wird in Zusammenarbeit mit dem Fachgebiet Kunstgeschichte angeboten. Ziel des Seminars ist eine umfassende Recherche zu einem ausgewählten Aspekt dieses Themenspektrums, eine Kurzpräsentation der Ergebnisse und eine schriftlicher Ausarbeitung. Die Aufgabe ist als Gruppenarbeit (2er Gruppen) konzipiert. Es ist außerdem geplant, die Seminarergebnisse in Form einer Ausstellung zum Beginn des Wintersemesters 2012/2013 zu präsentieren. Gastvorträge, Filmabend sowie eine Exkursion nach Berlin zum Symposium „Brutalismus. Architekturen zwischen Alltag, Poesie und Theorie“ im Mai 2012 ergänzen das Seminar.

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Labor. Forschungsapparat und Wissensraum
Labor

Labore gelten als Räume der Forschung. Sie repräsentieren Orte, die der breiten Öffentlichkeit größtenteils nur selten zugänglich sind und bilden die Grundlage für eine Forschungskultur, in der mit Atmosphären, Lichtstrahlen, Temperatur und präparierten Materialien ebenso experimentiert wird, wie mit menschlichem Verhalten, Statistiken, Software oder Daten. Als heterogene, doch speziell aufeinander abgestimmte Anordnungen aus Bauwerken einerseits und technischen Geräten, Messinstrumenten und Versuchsmodellen andererseits, verkörpern Laboratorien eine räumliche Schnittstelle von Architektur und Wissenschaft. Das Seminar geht deshalb von einer zweifachen Annahme aus: Erstens, dass unsere Vorstellung von Objektivität und Messbarkeit einem kulturellen Wandel unterliegt, ihnen dementsprechend auch eine eigene Geschichtlichkeit zugesprochen werden muss. Und zweitens, dass man über die Frage, was ein Laboratorium alles umfasst, nicht nur zu grundlegenden Erkenntnisse über das wissenschaftliche, sondern auch über das architektonische Denken gelangt. 

Heute ist zunehmend von Forschung an einem Media Lab, Design Lab, Green Lab, Stadtlabor oder – unterstützt durch die Industrie – einem BMW Guggenheim Lab die Rede. Es scheint, als habe sich der ursprünglich in den exakten Wissenschaften geprägte Laborbegriff zu einer populären Produktionsmetapher erweitert, um disziplinübergreifend Orte der Innovation, der Kreativität und des Designs zu bezeichnen. Tatsächlich verbindet sich in der Praxis des Forschens das Kalkül des Wissenschaftlers mit dem Geschick des Bastlers. Doch wie hängen Wissenschaft und Kreativität, wie Architektur und Objektivität zusammen? Das Simulieren und Modellieren zukünftiger Klimaszenarien, neuer Molekülstrukturen, aber auch optimierter Gebäudeformen sind Beispiele für einen Wandel, den die Anwendung und auch die vermeintliche Autorität von Simulationen zur Folge hat: Während sich Simulation bislang auf einen Darstellungs- und Präsentationsmodus bezog, verbindet sie methodisch die Architektur mit den Wissenschaften und fungiert als Instrument der Erkenntnis und des Entwurfes gleichermaßen. Wie kommen Architektur und Wissenschaft im Labor zusammen? Wie hängt die Produktion von Raum mit der Produktion von Wissen zusammen? Und welche Rolle spielt die Bedeutung des Experiments für den Forschungsanspruch in der Architektur?

Im Seminar steht eine architekturtheoretische Betrachtung von Laborkulturen im Mittelpunkt. Ziel ist es erstens, einen Überblick über die innere Logik unterschiedlicher Experimentalsysteme zu bekommen und zweitens, anhand konkreter Studien zu Laborkonzepten des 19. Und 20. Jahrhunderts, nach der wissenschaftlichen Identität der Architektur zu fragen. Es geht um die kritische Annäherung an einen Begriff, dessen Bedeutungsspektrum das moderne Verständnis von Forschung in der Architektur bis heute prägt und auf dem besten Wege ist, zu einer populären Signatur einer zukünftigen Experimentiergesellschaft zu avancieren.

Die Lehrveranstaltung bildet den zweiten Teil zur Veranstaltungsreihe „Kontext Architektur. Architektonische Grundbegriffe zwischen Kunst, Wissenschaft und Technologie“. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass die Technisierung nicht nur die Praxis der Architektur, sondern auch ihre Sprachlichkeit, also die Art und Weise wie man über Architektur spricht und diskutiert verändert. In der Veranstaltungsreihe werden deshalb eine Auswahl jener Begriffe zur Debatte gestellt, die im aktuellen Diskurs eine zentrale Rolle spielen. Ziel ist es, sich mit interdisziplinären Denkmodellen von Architektur zu befassen, sie historisch zu kontextualisieren und kritisch zu reflektieren. Mit Blick auf die technischen und kulturellen Bedingungen der architektonischen Praxis geht es darum, sich begriffliche Kartierungen der Gegenwart zu erarbeiten und nach den Grundlagen einer zeitgenössischen Theorie der Architektur zu fragen.

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