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Die 68er – war’s das? — Ein Kommentar von Georg Vrachliotis

Foto: Werner Durth (roter Kreis) demonstrierte gegen die Stadtzerstörung in Darmstadt (Bild: privat)

Abschiede und neue Öffentlichkeiten: Es rumort zum Fünfzigsten der 68er. Zwei „68er“ der Architekturszene hielten gerade ihre Abschiedsvorlesungen: im November 2017 Werner Durth in Darmstadt, Ende Januar 2018 Gerd de Bruyn in Stuttgart. Beide sind Leiter des igma der Universität Stuttgart gewesen, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Und sie hinterlassen ein Erbe, das es für veränderte Öffentlichkeiten und digital natives zu analysieren und in den Nachfolgen zu sichern gilt.

[…]

Die 1968er-Bewegungen haben es geschafft, so stark medial ritualisierte Selbstbeschreibungen hervorzubringen, dass diese wie ein romantisierendes Antiserum wirken. Die Geschichte von 1968 ist daher immer auch eine Geschichte der Idealisierung von Geschichte selbst. Einigen wir uns daher zunächst darauf, dass sich in den 1960er-Jahre vor allem eines entwickelte: eine gewaltige Kritikwelle an den bestehenden Verhältnissen der deutschen Nachkriegsgesellschaft in jeder nur erdenklichen Beziehung. Nichts schien mehr heilig: Religion, Recht, Tradition, Tugend, Wissenschaftlichkeit, beinahe alles galt plötzlich als verhandelbar und damit als veränderbar. In diesem Moment des Aufbrechens wird der rebellische Moment verortet. Doch anstatt hier gleich von einem Epochenumbruch auszugehen, schlägt beispielsweise der Soziologe Armin Nassehi (*1960) vor, lieber von einem Biographiegenerator zu sprechen, also von einem Anlass, der hilft, die eigene Geschichte besser zu verstehen und immer wieder neu zu schreiben.
Streng genommen ist bereits die stellvertretend für ein ganzes Jahrzehnt verwendete Zahl 1968 – oder auch 1967 – schwierig, wird doch dadurch der Eindruck vermittelt, als hätte man es hier mit einer geschlossenen, homogenen Bewegung zu tun. Im Gegenteil. Es gab weder einen offiziellen Gründungsakt, noch ein einzelnes, in sich kohärentes Theoriegerüst, an dem man sich orientierte. Die Dynamik dieser Zeit entstand vielmehr aus verstreuten intellektuellen Suchbewegungen, von denen einige mal größere, mal kleinere Radikalisierungsschübe auslösten. Die hohe Geschwindigkeit, mit der diverse Formen von Theorie aufgegriffen, durchgearbeitet, politisch abgeglichen und wieder verworfen wurden, prägte das Denken dieser Zeit womöglich mehr, als es eine einzelne Theorie jemals hätte bewirken können. Vermeintliche Theorien verwandelten sich vielmehr zu politischen Durchlauferhitzern, davon zeugt die aktuelle Rezeptionsforschung sowohl der einschlägigen Schriften zum Marxismus, zur Frankfurter Schule oder auch zur Geschichte des kleinen subversiven Merve-Verlags aus West-Berlin.

Weiterlesen auf Marlowes

 

 
 

Frei Otto and the Open System. A Conversation with Jean-Philip Vassal / uncube magazine no. 33

Jean-Philippe Vassal, one half of the French architecture duo Lacaton & Vassal, is a huge Frei Otto fan and particularly influenced by his 1980s “Eco-houses” in Berlin.  Georg Vrachliotis talked to him for uncube magazine about designing open systems in architecture and ensuring maximum freedom for residents.

uncube magazine: Interview

 
 


 
 
Karlsruher Institut für Technologie
Fakultät für Architektur
Institut Entwerfen, Kunst und Theorie

Fachgebiet Architekturtheorie
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Leitung: Prof. Dr. Georg Vrachliotis
 
Sekretariat: Claudia Iordache
Tel.: +49 721 60845052
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Öffnungszeiten: Mo-Mi 9:00-12:00
 
 
 
Recent Publications:  
 

    Frei Otto, Carlfried Mutschler, Multihalle

    May 18, 2018

    Georg Vrachliotis: Frei Otto, Carlfried Mutschler, Multihalle, Spector Books, Leipzig, 2017.

     
     

    Frei Otto. Thinking by Modeling

    May 18, 2018

    Georg Vrachliotis and Joachim Kleinmanns, Martin Kunz, Philip Kurz (ed.), Frei Otto. Thinking by Modeling, Spector Books, Leipzig, 2017.

     
     

    Fritz Haller: Architekt und Forscher

    May 18, 2018

    Laurent Stalder und Georg Vrachliotis (Hg.): Fritz Haller: Architekt und Forscher (Dokumente zur modernen Schweizer Architektur), gta Verlag, ETH Zürich, 2016.

     
     

    Geregelte Verhältnisse: Architektur und technisches Denken in der Epoche der Kybernetik

    May 18, 2018

    Vrachliotis, Georg (2012): Geregelte Verhältnisse: Architektur und technisches Denken in der Epoche der Kybernetik. Springer-Verlag Wien

     
     

    Structuralism Reloaded. Rule-Based Design in Architecture and Urbanism

    May 18, 2018

    Valena, Tomáš; Avermaete Tom; Vrachliotis, Georg (Hg.)(2011): Structuralism Reloaded. Rule-Based Design in Architecture and Urbanism. Edition Axel Menges, Stuttgart/London

     
     

    Code: Zwischen Operation und Narration

    May 18, 2018

    Gleiniger, Andrea; Vrachliotis, Georg (Hg.)(2010): 



 Code: Zwischen Operation und Narration. Reihe Kontext Architektur, Birkhäuser, Basel Ÿ Boston Ÿ Berlin

     
     

    Muster: Ornament, Struktur und Verhalten

    May 18, 2018

    Gleiniger, Andrea; Vrachliotis, Georg (Hg.)(2009): 



 Muster: Ornament, Struktur und Verhalten. Reihe Kontext Architektur, Birkhäuser, Basel Ÿ Boston Ÿ Berlin

     
     

    Komplexität: Entwurfsstrategie und Weltbild

    May 18, 2018

    Gleiniger, Andrea; Vrachliotis, Georg (Hg.)(2008): 



 Komplexität: Entwurfsstrategie und Weltbild. Reihe Kontext Architektur, Birkhäuser, Basel Ÿ Boston Ÿ Berlin

     
     

    Simulation: Präsentationstechnik und Erkenntnisinstrument

    March 12, 2018

    Gleiniger, Andrea; Vrachliotis, Georg (Hg.)(2008): 



 Simulation: Präsentationstechnik und Erkenntnisinstrument. Reihe Kontext Architektur, Birkhäuser, Basel Ÿ Boston Ÿ Berlin