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Sommersemester 2011

"Strukturalismus"
Der Strukturalismus gilt neben dem Funktionalismus, so Arnulf Lüchinger, zu den wichtigsten Strömungen in der Architekturgeschichte des 20. Jahrhunderts.
Mit der Kritik an der funktionellen Stadt hat sich die jüngere Architektengeneration des CIAMS den Maximen der Heroischen Moderne entgegengestellt. Als Team 10 wendeten sich den Themen u.a. der Funktionsmischung, der sozialen Verflechtung von Mensch und Stadt bzw. eine durch den Alltag inspirierte Architektur zu.
Als reflexive Moderne konnten vor allem die holländischen Mitglieder des Team 10, wie Aldo van Eyck oder Hermann Hertzberger, eine eigenständige Variante des Strukturalismus herausentwickeln. In ihrem Denkansatz lassen sich Anleihen aus der Sprachwissenschaft (Ferdinand de Saussure), Anthropologie und Ethnologie, eines Paul Parin oder Claude Lévi-Strauss, sowie Bezüge zur Konkreten Kunst in der Tradition von De Stijl, verfolgen.
Mit der holländischen Architekturzeitschrift Forum oder mit den international besetzten Team 10 Meetings konnte bzw. fand der holländische Strukturalismus ein Medium, um seine Thesen verbreiten zu können und wirkte einflussreich auf die Ansätze von Großstruktur, Austauschbarkeit und Recycling des GEAM Groupe d’Etudes d’Architecture Mobile oder des Metabolismus.

Während seiner Entstehungs- und Wirkungszeit war der Strukturalismus stets einer konservativen Architektur- und Urbanismuskritik ausgesetzt. Paradoxerweise versuchte er zuletzt, mittels postmodernistischer Anleihen seinen Kritikern gerecht zu werden. Hollands Revision der eigenen Moderne beruft sich heute auf die Traditionslinien eines konservativen Städtebaus, eines international ausgelegten New Urbanism, mit mittelalterlich anmutenden Stadtanlagen als flächendeckende Großstruktur. Erfährt der holländische Strukturalismus hier seine Gleichzeitigkeit in der Ungleichzeitigkeit?

Das Seminar beschäftigt mit den Konzepten und Leitbildern des holländischen Strukturalismus und dessen Auswirkungen und Erbe, sowie dessen zeitliche und politische Kontextualisierung.

Die Berliner Architekten Dietrich Bangert, Bernd Jansen, Stefan Scholz und Axel Schultes gründeten 1972 nach ihrem Studium an der Technischen Universität Berlin u.a. bei Oswald Mathias Ungers und ihrer Tätigkeit im Architekturbüro von Josef Paul Kleihues die Bürogemeinschaft BJSS – Bangert, Jansen, Scholz und Schultes. 1991 trennten sich die gemeinsamen Wege und fanden später in neuen Büropartnerschaften ihre Fortsetzung. Mit der Wiederentdeckung von Monumentalität und einer fast barock anmutenden Raum-Körper-Kunst in Zeiten einer durch Bescheidenheit und Verzicht geprägten deutschen Nachkriegsmoderne und eines hochentwickelten Bauwirtschaftsfunktionalismus, beschreiben die Bauten von BJSS innerhalb Deutschlands einen Sonderweg. Sie sind anscheinend Architekten für die besonderen Aufgaben (?): Konzerthaus Freiburg, Kunstmuseum Bonn, usw. Die hauptsächlich durch Wettbewerbserfolge realisierten Bauten kommen den gestellten Ansprüchen und Sehnsüchten an Repräsentation, Monumentalität und großem Auftritt ihrer Auftraggeber mit dramaturgischen Raumsequenzen nach. Jenseits jeder Mode und nicht für den Mainstream gedacht, gelten diese Bühnenräume innerhalb der deutschen Architekturlandschaft als gefragte Locations der Musik- und Filmindustrie. Ihre Faszination gilt der orientalischen und antiken Baukunst, einem unerschöpflichen Fundus, aus dem sie für ihre Raumkompositionen greifen und als Vokabular stets neu reformulieren. Das Spiel der Primärkörper und ihre Inszenierung im Licht, gepaart mit surrealen Szenografien und poetischer Rationalität lassen BJSS als moderne Archaiker erscheinen. Zu ihren Lehrmeistern gehören u.a. Le Corbusier und Louis Kahn, Protagonisten einer Heroischen Moderne (A. Smithson), die vor allem mit ihrem Spätwerk in Chandigarh oder Dhaka großen Einfluss auf die Architektur von BJSS ausübten und sich in Details wiederfinden lassen. Das Büro galt eine Zeit lang als Kaderschmiede für eine junge aufstrebende Architektengeneration, wie Volker Staab, der in seinen Anfangsjahren durch BJSS wesentlich geprägt wurde. Dieser Generationentransfer einer teils eigenwilligen geistigen Matrix lässt sich bis heute weiterverfolgen.

Im Seminar werden die einzelnen Konzepte und Leitbilder analysiert sowie gegenübergestellt. Dabei soll der Entwurfskosmos und der Kontextbezug erfasst werden. Anhand einer Netzwerkanalyse sollen die zeitlichen, wie persönlichen Verflechtungen dargestellt werden, um somit einen Einblick in die deutsche Gegenwartsarchitektur zu gewinnen. Interviews mit den Beteiligten und eine Exkursion nach Berlin sind angedacht. Die Ergebnisse des Seminars bilden die Grundlage einer Publikation.

"Brand New Pforzheim!"

Im Zweiten Weltkrieg zu rund 80 Prozent zerstört, wurde Pforzheim unter den „Gesichtspunkten des neuzeitlichen Städtebaus“ wieder aufgebaut. Doch der Verlust der Mitte mit ihrer historischen Altstadt sowie die Auseinandersetzung zwischen Moderne und Tradition hat ein Stadtbild voller gebauter Widersprüche entstehen lassen. Ein Experimentierfeld welches zu einem architektonischen Stilmix im Spannungsfeld zwischen Nachkriegsmoderne und Postmoderne geführt hat. Bis heute sind sich die Stadtväter und Anwohner bei der Frage nach dem Stadtbild und dem damit verbundenen Image der Stadt uneins. Die einen schwärmen und werben mit der von der Schmuckindustrie geprägten Goldstadt, die anderen scheinen das Besondere nie gefunden zu haben oder immer noch zu suchen.

Das Seminar nähert sich der Stadt Pforzheim auf verschiedenen Ebenen, recherchiert zur Stadt- und Baugeschichte, analysiert die Leitbilder der Stadt und ihre Umsetzung: nimmt dabei einzelne Gebäude unter die Lupe, erstellt individuelle Stadtführungen, fragt nach der Identität der Stadt und versucht so dem Image Pforzheims ein Stück näher zu kommen.

Am Ende soll ein Magazin, ein Stadtporträt der anderen Art, entstehen. In Kooperation mit Fachgebiet Architekturkommunikation.