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Labor. Forschungsapparat und Wissensraum

Research project - Prof. Dr. Georg Vrachliotis
Labor

Philippe Rahm „Interior Weather“, Bild: Centre Canadien d’Architecture / Canadian Centre for Architecture, Montréal; Michel Legendre, courtesy architekturgalerie am weißenhof, Stuttgart

 

Labore gelten als Räume der Forschung. Sie repräsentieren Orte, die der breiten Öffentlichkeit größtenteils nur selten zugänglich sind und bilden die Grundlage für eine Forschungskultur, in der mit Atmosphären, Lichtstrahlen, Temperatur und präparierten Materialien ebenso experimentiert wird, wie mit menschlichem Verhalten, Statistiken, Software oder Daten. Als heterogene, doch speziell aufeinander abgestimmte Anordnungen aus Bauwerken einerseits und technischen Geräten, Messinstrumenten und Versuchsmodellen andererseits, verkörpern Laboratorien eine räumliche Schnittstelle von Architektur und Wissenschaft. Das Projekt geht deshalb von einer zweifachen Annahme aus: Erstens, dass unsere Vorstellung von Objektivität und Messbarkeit einem kulturellen Wandel unterliegt, ihnen dementsprechend auch eine eigene Geschichtlichkeit zugesprochen werden muss. Und zweitens, dass man über die Frage, was ein Laboratorium alles umfasst, nicht nur zu grundlegenden Erkenntnisse über das wissenschaftliche, sondern auch über das architektonische Denken gelangt. 

Heute ist zunehmend von Forschung an einem Media Lab, Design Lab, Green Lab, Stadtlabor oder – unterstützt durch die Industrie – einem BMW Guggenheim Lab die Rede. Es scheint, als habe sich der ursprünglich in den exakten Wissenschaften geprägte Laborbegriff zu einer populären Produktionsmetapher erweitert, um disziplinübergreifend Orte der Innovation, der Kreativität und des Designs zu bezeichnen. Tatsächlich verbindet sich in der Praxis des Forschens das Kalkül des Wissenschaftlers mit dem Geschick des Bastlers. Doch wie hängen Wissenschaft und Kreativität, wie Architektur und Objektivität zusammen? Das Simulieren und Modellieren zukünftiger Klimaszenarien, neuer Molekülstrukturen, aber auch optimierter Gebäudeformen sind Beispiele für einen Wandel, den die Anwendung und auch die vermeintliche Autorität von Simulationen zur Folge hat: Während sich Simulation bislang auf einen Darstellungs- und Präsentationsmodus bezog, verbindet sie methodisch die Architektur mit den Wissenschaften und fungiert als Instrument der Erkenntnis und des Entwurfes gleichermaßen. Wie kommen Architektur und Wissenschaft im Labor zusammen? Wie hängt die Produktion von Raum mit der Produktion von Wissen zusammen? Und welche Rolle spielt die Bedeutung des Experiments für den Forschungsanspruch in der Architektur?

Es geht um die kritische Annäherung an einen Begriff, dessen Bedeutungsspektrum das moderne Verständnis von Forschung in der Architektur bis heute prägt und auf dem besten Wege ist, zu einer populären Signatur einer zukünftigen Experimentiergesellschaft zu avancieren.

Das Projekt kooperiert mit dem KIT Universitätsarchiv.