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SS15: Welche Öffentlichkeit?

Öffentlichkeit ist ein sozial und kulturell konstruierter symbolischer Raum der Kommunikation und gilt als eine der wertvollsten Grundlagen für Aufklärung und Demokratie. In Architektur und Stadtplanung spielen öffentliche Räume eine große Rolle  — als frei zugängliche und gemeinschaftlich nutzbare Bereiche, Orte und Plätze für Proteste, Veranstaltungen und der kollektiven Sichtbarkeit. Öffentlichkeit ist jedoch kein universelles Prinzip, sondern ein zivilgesellschaftliches Ideal, dessen Wert für die Gesellschaft immer wieder neu ausgehandelt, bestimmt und hinterfragt werden muss. Theodor Adorno schlägt 1964 in einem Gespräch mit Adolf Gehlen deshalb vor, Öffentlichkeit als einen Funktionsbegriff zu verstehen, der kein vorhandenes Ding bezeichnet, sondern vielmehr die Forderung umfasst, dass grundlegende gesellschaftliche Interessen öffentlich gemacht werden. Es gehe darum, Öffentlichkeit „zu definieren, ohne sie zu definieren“.

Heute haben wir es mit global vernetzten Raumvorstellungen einer digitalen Öffentlichkeit zu tun. Das Bild der Gegenwart erscheint fragmentierter in dem gleichen Maße wie unser Denken als ungeduldiger und assoziativer wahrgenommen wird. Einerseits eröffnen die digitalen Sphären neue Freiräume der Meinungsäußerungen und des Diskurses. Andererseits werden wir mit einem immer größeren Ausmaß an Kommerzialisierung und Kontrolle konfrontiert. Was sind also öffentlichen Räume heute und was sind ihre Potentiale? Welche gesellschaftlichen Ideale sind mit welchen Raumtheorien verbunden? Und welchen Einfluss hat die sogenannte digitale Öffentlichkeit auf die Architektur?

Das Seminar widmet sich unterschiedlichen Theorien und Debatten der Öffentlichkeit aus Architektur, Philosophie und Soziologie — von den 1960er Jahren bis zur Gegenwart. Die Veranstaltung ist als intensives Lektüre- und Diskussionsseminar konzipiert.

Prof. Dr. Georg Vrachliotis
Dipl.-Ing. Bernita Le Gerrette

SS 15: Architekturen des Speicherns

Architektur verkörpert eine der zentralen Denk- und Wissensformen unserer Gesellschaft. Räume fungieren als kulturelle Gedächtnisse von Erfahrungen, Ereignissen und Erkenntnissen— als performative Orte des Überlieferns und Erinnerns. Aus der bis in die Renaissance zurückreichende Geschichte der Gedächnitstheater wird deutlich, dass die Verräumlichung von Wissen immer auch mit dessen Inszenierung und der Entwicklung von komplexen Erzählungen einhergeht.

Heute prägen Vorstellungen von unbegrenzten Speicherkapazitäten das gedächtnistheoretische Bild der Gegenwart. In der „Post-Snowden-Ära“ ist der Begriff des Speicherns zu einem Synonym für das automatisierte Ansammeln und Auswerten von gewaltigen, von uns selbst produzierten Datenmengen geworden. Informationsfragmente werden fortwährend generiert, gespeichert, wieder abgerufen, aktualisiert und erneut gespeichert — ein scheinbar endloser Kreislauf des Codierens und Umcodierens von Geschichte und Gegenwart. An was und in welcher Form wir uns in Zukunft erinnern werden ist somit nicht nur davon abhängig, wer die Speichermedien organisiert und kontrolliert, sondern auch, in welchem Medium unsere Erlebnisse transportiert und tradiert werden. Was auf „tausenden von Computern übertragen, kopiert und durch ständige Wiederholung Teil unserer Alltagwelt wird, stabilisiert sich selbst und wird schließlich zu einem kulturellen Sediment des Systems“ (Georg Trogemann). Doch wie verändern aktuelle Entwicklungen des Speicherns das Denken über Raum und Erinnerung, Gedächtnis und Gesellschaft? Welche Rolle spielt Architektur als Medium der kulturellen Wissensspeicherung? Und welche Narrative kann Architektur in Zeiten von Big Data liefern?

Das Seminar setzt sich mit dem Begriff und der Metapher des Speicherns auseinander und diskutiert raum- und gedächtnistheoretische Texte und Konzepte aus Architektur, Kunst, Technik und den Wissenschaften. Die Veranstaltung ist als intensives Lektüre- und Rechercheseminar konzipiert.

Prof. Dr. Georg Vrachliotis
Dipl.-Ing. Manuela Gantner
Dipl.-Ing. Meike Weber

 

WS 14/15: Californication. Von Gehry zu Google

Das Seminar widmet sich der Geschichte Kaliforniens als industrieller und kultureller Mythos der heutigen Informationsgesellschaft. Ein dichtes Netz aus Eliteuniversitäten, Entertainment, Kunstmarkt, Internetkonzernen, Rüstungsindustrie und einer vollkommen auf Konsum angelegten Privatwirtschaft bilden das historische Fundament für eine der einflussreichsten und mächtigsten Kulturindustrien der Gegenwart.

Als Begriff geht „California“ weit über den Namen des US-amerikanischen Bundesstaates hinaus und reicht bis in die Sphären des Fiktiven. Mit ihm ist ein Spektrum historisch codierter Weltbilder verbunden, die sich zwischen Utopie und Dystopie bewegen und deren Faszination mit einer Vielzahl unterschiedlicher Träume und Sehnsüchte verbunden ist: der ökologischen Gegenkultur der Hippies, dem Glamour von Hollywood und Disney, dem Fortschrittsglauben im Silicon Valley, den logistischen Landschaften der endlosen Freeways, – aber auch von Migration, Flüchtlingen, sozialen Unruhen in den Armenvierteln der Großstädte und dem Anblick von Hochsicherheitszäunen an den Grenzen zu Mexiko. Kalifornien zeigt sich als Denkkollektiv des Unkonventionellen und der Extreme. Zentral für das kulturelle Verständnis von Kalifornien als legendären Ort des digitalen Zeitalters, ist jedoch vor allen Dingen die Entwicklungsgeschichte der Industrie. Diese hat sich von der Produktion physischer Güter gelöst und auf die Programmierung und Ökonomisierung virtueller Prozesse spezialisiert. Es ist der Beginn der sogenannten post-industriellen Dienstleistungsgesellschaft. Die Folgen dieses radikalen Wandels zeigen sich nicht nur in einer Technisierung, sondern auch einer subtilen Ästhetisierung der Alltagswelt. Das betrifft auch die Architektur. Ob die eleganten Wohnhäuser von Rudolf Schindler, Richard Neutra, Pierre Koenig und John Lautner, die Case Study Houses von Ray und Charles Eames, die Konstruktionen von Konrad Wachsmann oder die amorphe Formensprache von Frank Gehry – Kalifornien gilt als Wegbereiter der modernen amerikanischen Architektur und inspiriert bis heute ganze Generationen von Architekten, Designern und Künstlern.

Die Veranstaltung ist als intensives Recherche- und Diskussionsseminar konzipiert. Ziel ist es, sich kritisch mit den unterschiedlichen architektonischen Strategien, Konzepten und Theorien auseinanderzusetzen, die mit der Kulturindustrie Kaliforniens verbunden sind. Es geht um nichts Geringeres als um eine breitangelegte architekturgeschichtliche und medienarchäologische Spurensuche nach den Anfängen unserer heutigen Netzwerkgesellschaft.

Prof. Dr. Georg Vrachliotis
Dipl.-Ing. Bernita Le Gerrette

WS 14/15: Paul Virilio und die Architektur

Das Seminar setzt sich mit den Arbeiten des französischen Architekten und Kulturtheoretikers Paul Virilio auseinander. Anhand von ausgewählten Schlüsseltexten wird Virilios medienarchäologischer Blick auf Strategien der Raumproduktion in unserer Gesellschaft diskutiert – ausgehend von seinen frühen Arbeiten über die Bunkeranlagen entlang der Atlantikküste und dem Begriff der „kryptischen Architektur“ (1966), seinen Büchern „Geschwindigkeit und Politik“ (1977), „Krieg und Kino“ (1984), „Logistik der Wahrnehmung“ (1984), „Ästhetik des Verschwindens“ (1989), den „Strategien der Täuschung“ im Zeitalter der Information (2000) und der „Panischen Stadt“ (2007). Scharfsinnig und zugleich sprachmächtig erforscht Virilio die Komplexität aktueller Ereignisse und hinterfragt dabei die bildpolitischen Strategien von Kriegen und Katastrophen einer längst global operierenden Mediengesellschaft. Virilio tritt dabei nicht als Philosoph im klassischen Sinne auf. Statt methodisch auf wissenschaftlicher Exaktheit oder systematischen Schlussfolgerungen zu beharren, zerlegt er Begriffe und Bilder vielmehr assoziativ und fügt sie zu literarischen, teils widersprüchlich erscheinenden und aus mehrdeutigen Anspielungen aufgebauten Theoriegebilden zusammen. Pointiert gesagt: Anstelle von definitorischer Strenge propagiert Virilio ein kritisches Denken der Narration, Komplexität und intellektuellen Unschärfen.

Die Veranstaltung ist als Lektüreseminar konzipiert. Im Vordergrund steht die intensive Auseinandersetzung mit dem Werk eines der schillerndsten und streitbarsten Denker des zeitgenössischen Architekturdiskurses. Ziel ist es – mit Blick auf die sozialen, technischen und kulturellen Bedingungen der architektonischen Praxis – sich begriffliche Kartierungen der Gegenwart zu erarbeiten und nach den Grundlagen einer zeitgenössischen Theorie der Architektur zu fragen.

Prof. Dr. Georg Vrachliotis
Dipl.-Ing. Manuela Gantner

 

ARCH+ features 32 — Die Klotz-Tapes. Präsentation der Klotz-Tapes durch Oliver Elser und Diskussion mit Georg Vrachliotis und Peter Weibel

 

ARCH+ features 32 Video: https://vimeo.com/115968178
ARCH+ Information: https://www.archplus.net/home/news/7,1-10997,1,0.html?referer=125

Zwischen 1979 und 1987 dokumentierte Heinrich Klotz, Gründungsdirektor des Deutschen Architekturmuseums/Frankfurt am Main, mittels Tonbandaufzeichnungen seine zahlreichen Reisen und Treffen mit Architekten sowie die Gründung des DAM und den Sammlungsaufbau. Anlässlich des 30-jährigen Gründungsjubiläums des DAM in diesem Jahr haben ARCH+ in Kooperation mit dem DAM diese bisher unveröffentlichten Tonbanddiktate, die sogenannten Klotz-Tapes, herausgegeben.

In Kooperation mit dem Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe, der zweiten wichtigen Institution, die Heinrich Klotz nach der DAM-Gründung vor 25 Jahren aus der Taufe hob, und dem Karlsruher Institut für Technologie lädt ARCH+ Oliver Elser, Kurator der Jubiläumsausstellung im DAM, zu einer Präsentation der Klotz-Tapes ein, die er maßgeblich bearbeitet hat. Im Anschluss diskutiert Georg Vrachliotis mit Oliver Elser und Peter Weibel, Direktor des ZKM, über die beginnende Historisierung der Postmoderne und die Notwendigkeit einer kritischen Architekturgeschichte für die Gegenwart.

Dienstag, 02.12.2014, 18:00 Uhr
ZKM Medientheater
ZKM | Zentrum für Kunst und Medientechnologie
Lorenzstraße 19, 76135 Karlsruhe 

Ausstellungseröffnung — Fritz Haller. Architekt und Forscher

 

 

Ausstellungseröffnung
Freitag, den 16. Mai 2014 um 19.00 Uhr
S AM Schweizerisches Architekturmuseum

Die Ausstellung gibt einen erstmaligen Überblick über die wichtigsten Bauten und Projekte von Fritz Haller – von den späten 1940er bis zu den späten 1990er-Jahren. Fritz Haller (1924-2012) gehörte in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu den einflussreichsten Architekten der Schweiz und war seit den 1950er-Jahren als Vertreter der sogenannten Solothurner Schule weit über die Grenzen der Schweiz hinaus bekannt. Durch sein grosses Forschungsspektrum nahm er allerdings eine eigenständige Position ein; er zweifelte nie daran, dass es um eine erweiterte Vorstellung von Architektur gehen müsse. Sich mit dem Bauen auseinanderzusetzen, hiess für ihn daher, nicht nur über Konstruktionssysteme und Planungswerkzeuge zu diskutieren, sondern auch kritisch nach der gesellschaftlichen Rolle des Architekten zwischen Konvention und Fortschritt zu fragen.

Hallers Denken bewegte sich entlang der Grenzen eines Fragenspektrums, das von ersten Experimenten mit Geometriemodellen zu Beginn der 1960er-Jahre über die Entwürfe von Baukasten- und Installationssystemen bis hin zur Konzeption von globalen Stadtmodellen und der Entwicklung von digitalen Planungswerkzeugen reicht. Das in Zusammenarbeit mit der Firma USM entwickelte Möbelsystem «USM Haller» avancierte zu einer Marke von Weltrang und befindet sich in der ständigen Designsammlung des Museum of Modern Art in New York.

Direktor S AM: Hubertus Adam
Gastkurator: Georg Vrachliotis
In Kooperation mit dem Fritz Haller Archiv,  gta/ETH Zürich

SS 2014: Barrieren. Grenzen der Macht — Macht der Grenzen.

Das Seminar setzt sich mit Theorien, Konzepten und Problemen der Grenze in Architektur, Kunst und Gesellschaft auseinander. Im Fokus stehen die vielschichtigen Wechselwirkungen von sozialen, politischen und kulturellen Strategien der Sicherung, Kontrolle und Überwindung von Grenzen.

Grenzen existieren nicht per se, sondern werden räumlich und gesellschaftlich immer wieder neu verhandelt. Auch architektonische und urbane Räume lassen sich über das Verhältnis und Qualitäten ihrer Grenzen beschreiben: als ästhetisches und klimatisches Wechselspiel von Innen und Außen, als Zentrum und Peripherie, öffentliche Zwischenräume oder streng kontrollierte Zonen von Über-, Ein- und Ausgängen, als physische Barrieren und temporäre Barrikaden. Heute, und mit Blick auf die Sicherung der europäischen Aussengrenzen geht es zunehmend auch um geopolitische Strategien der Abschirmung von stetig steigenden Flüchtlingsströmen. Während Europa seine Grenzen im Inneren zu Gunsten von infrastruktureller Erschließung und individueller Bewegungsfreiheit geöffnet hat, gewinnt die institutionelle Sicherung und Kontrolle der europäischen Aussengrenzen immer mehr an Brisanz und Bedeutung gleichermaßen. Grenzabbau geht scheinbar mit Grenzaufbau einher. Doch welche Raumkonzepte spielen hierfür eine Rolle? Um welche Qualitäten der Grenze geht es? Und wie hängen Raum und Macht zusammen?

Die Veranstaltung ist als Lektüreseminar konzipiert. Ziel ist es – mit Blick auf die sozialen, technischen und kulturellen Bedingungen der architektonischen Praxis – sich begriffliche Kartierungen der Gegenwart zu erarbeiten und nach den Grundlagen einer zeitgenössischen Theorie der Architektur zu fragen.

WS 2013/14: Transparenz. Vom Glass House zu Big Data

Das Seminar setzt sich mit den Konzepten, Idealen und Problemen der Transparenz in Architektur, Kunst und Gesellschaft auseinander. Vom Material her gedacht, wird Transparenz mit der Vorstellung verbunden, das Innen unddas Außen räumlich verschmelzen zu lassen. Einblick und Ausblick gehen im Durchblick auf. Doch wer Transparenz allein auf Fragen des Materials und die Konstruktion reduziert, verkennt ihre mediale und gesellschaftliche Tragweite.

Heute bestimmt kaum ein anderes Schlagwort die Diskussionen so sehr wie das der Transparenz. Statt über Materialität oder Raumwahrnehmung zu diskutieren, wird Transparenz hier vor allem im Zusammenhang mit medialer Vernetzung, Überwachung oder der Offenlegung von intimen Details und politischen Entscheidungsprozessen in einer zunehmend informationstechnologisch durchleuchteten Gesellschaft beschworen. Transparenz, so gewinnt man den Eindruck, verwandelt sich zu einem systemischen Zwang, der alle gesellschaftlichen Prozesse erfasst und sie einer tiefgreifenden Veränderung unterwirft. Die Welt als Datenbank und digitales Panoptikum zugleich.

Was kann Architektur in einer so genannten „Transparenzgesellschaft“ leisten? Welche Auswirkungen haben die aktuellen Debatten um Privacy und Big Data für die Architektur – sozial, ästhetisch, technisch? Wie hat sich die kulturelle Vorstellung von Privatheit und Intimität gewandelt und welche räumlichen Konzepte sind damit verbunden?

Die Veranstaltung ist als Lektüreseminar konzipiert. Ziel ist es – mit Blick auf die sozialen, technischen und kulturellen Bedingungen der architektonischen Praxis – sich begriffliche Kartierungen der Gegenwart zu erarbeiten und nach den Grundlagen einer zeitgenössischen Theorie der Architektur zu fragen.

Lecture by Georg Vrachliotis at the XIV Bienal Internacional de Arquitecture de Buenos Aires 2013

ARCH+ Architektur & Politik — Nikolaus Kuhnert im Gespräch mit Arno Brandlhuber, Angelika Schnell und Georg Vrachliotis

16. Mai 2013, 19 Uhr,
KW Institute for Contemporary Art, 
Auguststraße 69, 
10117 Berlin

Seit über 40 Jahren gehört Nikolaus Kuhnert als Mitherausgeber der ARCH+ zu den prägenden Personen des Architekturdiskurses. Mit dem Oral History-Projekt “Nikolaus Kuhnert im Gespräch” dokumentiert eine jüngere Generation im Umfeld von ARCH+ nicht nur seinen thematischen Überblick, sondern auch seine besondere erzählerische Gabe. In persönlichen Gesprächen verdichten sich große und kleine Themen, Personen und Anekdoten zu einer intellektuellen Auseinandersetzung mit der Kollektivgeschichte seiner Generation, die nach dem Trauma der NS-Zeit mit der Politisierung in der Studentenbewegung eine eigene Sprachfähigkeit gesucht hat. Berlin als Ort, an dem sich in exemplarischer Weise sein individueller Werdegang mit zeitgeschichtlichen Entwicklungen kreuzt, kommt immer wieder zur Sprache. Welches Verhältnis von Architektur und Politik wird anhand seiner Biografie sichtbar? Was können wir daraus für den kritischen Architektur- und Stadtdiskurs heute lernen? Im Rahmen des Relaunch der KW werden erstmals eine Auswahl bisheriger Aufzeichnungen gezeigt.

Im Anschluss wird das Gespräch mit Nikolaus Kuhnert und den Gästen Arno Brandlhuber, Angelika Schnell und Georg Vrachliotis öffentlich fortgesetzt.

Ein Oral History-Projekt von Stephan Becker, Kristina Herresthal und Anh-Linh Ngo.

SS 2013: Ressource.

Foto: SITE — James Wines’ Highrise of Homes, 1981.

Der Begriff „Ressource“ gilt als einer der Schlüsselbegriffe unseres heutigen gesellschaftlichen Zusammenlebens. Auch im aktuellen Architekturdiskurs nimmt die Diskussion darüber einen hohen Stellenwert ein. Ressourcen unterliegen einem breit angelegten ökonomischen und kulturellen Denkkollektiv: Die Vorstellungen reichen von natürlichen Materialien und erneuerbaren Energien, über das historische Potenzial landschaftlicher und urbaner Räume, bis zu Archiven als Orte materialisierter Wissensressourcen. Grundlegend dabei ist: Ressourcen gelten als knappe Güter und sind an soziale Handlungen gekoppelt, d.h. erst die bewusste Wahrnehmung verwandelt einen beliebigen Rohstoff in eine wertvolle Ressource, ganz gleich ob es sich dabei um historische Bausubstanz, Energieträger oder Information handelt. Was heißt es also für Architekten, in einer Welt zu entwerfen, die ihr Gleichgewicht zwischen zunehmender Technologisierung einerseits und einem immer wichtiger werdenden Ressourcenbewusstsein andererseits sucht? Und welche konzeptionellen Vorstellungen von Architektur sind mit welchen Ressourcen verbunden?

Ziel ist die kritische Annäherung an einen Begriff, dessen Vielschichtigkeit das gesellschaftliche Selbstverständnis des entwerfenden Architekten in Zukunft grundlegend prägen wird. Die Veranstaltung ist als Lektüreseminar konzipiert. Im Fokus stehen ausgewählte Texte, Konzepte und Theorien sowie eine intensive selbständige Recherche.

Mit Blick auf die sozialen, technischen und kulturellen Bedingungen der architektonischen Praxis geht es darum, sich begriffliche Kartierungen der Gegenwart zu erarbeiten und nach den Grundlagen einer zeitgenössischen Theorie der Architektur zu fragen.

Gastvortrag: „Buckminster Fuller“, Prof. Dr. Joachim Krausse.
Pflichtexkursion in Kooperation mit dem Fachgebiet Landschaftsarchitektur, Prof. Henri Bava

Symposium — Das Prinzip Nervi, TU Berlin with Shelley McNamara, Yvonne Farrell, Jürg Conzet, Fabian Scheurer, Georg Vrachliotis, among others

Pier Luigi Nervi went down in history as someone who crossed between the realms of architecture and engineering as an engineer, a designer, an inventor, and a businessman. His ability to develop poetic and sensual architectural spaces from the logic of engineering and his intense engagement with reinforced concrete as a material and its possibilities of application make Nervi a timelessly instructive example. Architectural theorists, architects, and construction engineers are invited to discuss current issues of construction and design, process and material against the backdrop of Pier Luigi Nervi’s work and approach.

A joint project of the programs for building construction and design at Berlin’s Technische Universität (Prof. Leibinger) and engineering and structural design at the Universität der Künste (Prof. Gengnagel), as part of the Hybrid Platform.

  1. Februar 2013, TU Berlin

WS 2012/13 Raum und Metapher

Foto: Branching– Verästelung, aus: O.M. Ungers: Morphologie – City Metaphors, 1976.

Metaphern strukturieren unser Denken über den architektonischen Raum durch Bilder. Die Art und Weise, wie man beim Entwerfen über die Umwelt nachdenkt, sie wahrnimmt, beschreibt und interpretiert, ist durch eine Fülle von bildlichen Analogien, Gleichnissen, Sinnbildern, Übertragungen und Anspielungen geprägt. Es entstehen Erzählungen von Räumen, ihren Atmosphären, Formen und Funktionen – ob als Körper, Kristall, Maschine, Möbel, Virus oder Zelle. Es lässt sich kaum leugnen: Metaphern operieren als eine subtile und verführerische, doch äußerst effektive Form des architektonischen Wissens. Die Effektivität und Produktivität von Metaphern ergibt sich zum einen aus der Geschichtlichkeit ihres Gebrauchs, zum anderen aus dem theoretischen Wandel der Bildvorstellungen, die mit ihnen assoziiert werden. Entscheidend ist nicht die metaphorische Wechselwirkung zwischen Bild und Raum, sondern die zwischen Bild und der jeweiligen sozialen, technischen oder politischen Vorstellung von Raum.

Das Seminar fragt nach dem Potential, aber auch nach den Grenzen von Metaphern für die Architektur. Was sind Metaphern und wie funktionieren sie? Welche konzeptionellen Vorstellungen von Architektur sind mit welchen Metaphern verbunden? Wie hängen architektonisches Denken und metaphorisches Wissen zusammen? Und wie beeinflussen Metaphern den Entwurfsprozess?

Fritz Haller. Designer of Systems. An Interview with Georg Vrachliotis

“Imagine you spent your entire career researching and developing modular building systems. Imagine you gave the world radical new approaches to construction design and helped introduce the use of computer technology in architecture. And then imagine that most people only know your name in connection with one office furniture system. An office furniture system that you developed once as part of one contract for one company based in one small village in Switzerland. A system that despite its lowly origins became a global success and a universal by-word for simple, functional storage. And publicly overshadowed all your efforts as an architect. Such a fate is that of the Swiss architect Fritz Haller. We’ve written at length in these pages about the USM Haller storage system. But much less about Fritz Haller and his architecture. Largely because there is so little reliable information. There is however one very reliable source, Dr. Georg Vrachliotis, professor for architectural theory at the Karlsruhe Institute of Technology (KIT).”

An Interview with Georg Vrachliotis published by smow.

SS 2012 Labor. Forschungsapparat und Wissensraum

Foto: Computerlabor 1978, Copyright: Fritz Haller Archiv, gta Archiv/ETH Zürich.

Labore gelten als Räume der Forschung. Sie repräsentieren Orte, die der breiten Öffentlichkeit größtenteils nur selten zugänglich sind und bilden die Grundlage für eine Forschungskultur, in der mit Atmosphären, Lichtstrahlen, Temperatur und präparierten Materialien ebenso experimentiert wird, wie mit menschlichem Verhalten, Statistiken, Software oder Daten. Als heterogene, doch speziell aufeinander abgestimmte Anordnungen aus Bauwerken einerseits und technischen Geräten, Messinstrumenten und Versuchsmodellen andererseits, verkörpern Laboratorien eine räumliche Schnittstelle von Architektur und Wissenschaft. Das Seminar geht deshalb von einer zweifachen Annahme aus: Erstens, dass unsere Vorstellung von Objektivität und Messbarkeit einem kulturellen Wandel unterliegt, ihnen dementsprechend auch eine eigene Geschichtlichkeit zugesprochen werden muss. Und zweitens, dass man über die Frage, was ein Laboratorium alles umfasst, nicht nur zu grundlegenden Erkenntnisse über das wissenschaftliche, sondern auch über das architektonische Denken gelangt.

Heute ist zunehmend von Forschung an einem Media Lab, Design Lab, Green Lab, Stadtlabor oder – unterstützt durch die Industrie – einem BMW Guggenheim Lab die Rede. Es scheint, als habe sich der ursprünglich in den exakten Wissenschaften geprägte Laborbegriff zu einer populären Produktionsmetapher erweitert, um disziplinübergreifend Orte der Innovation, der Kreativität und des Designs zu bezeichnen. Tatsächlich verbindet sich in der Praxis des Forschens das Kalkül des Wissenschaftlers mit dem Geschick des Bastlers. Doch wie hängen Wissenschaft und Kreativität, wie Architektur und Objektivität zusammen? Das Simulieren und Modellieren zukünftiger Klimaszenarien, neuer Molekülstrukturen, aber auch optimierter Gebäudeformen sind Beispiele für einen Wandel, den die Anwendung und auch die vermeintliche Autorität von Simulationen zur Folge hat: Während sich Simulation bislang auf einen Darstellungs- und Präsentationsmodus bezog, verbindet sie methodisch die Architektur mit den Wissenschaften und fungiert als Instrument der Erkenntnis und des Entwurfes gleichermaßen. Wie kommen Architektur und Wissenschaft im Labor zusammen? Wie hängt die Produktion von Raum mit der Produktion von Wissen zusammen? Und welche Rolle spielt die Bedeutung des Experiments für den Forschungsanspruch in der Architektur?

Im Seminar steht eine architekturtheoretische Betrachtung von Laborkulturen im Mittelpunkt. Ziel ist es erstens, einen Überblick über die innere Logik unterschiedlicher Experimentalsysteme zu bekommen und zweitens, anhand konkreter Studien zu Laborkonzepten des 19. Und 20. Jahrhunderts, nach der wissenschaftlichen Identität der Architektur zu fragen. Es geht um die kritische Annäherung an einen Begriff, dessen Bedeutungsspektrum das moderne Verständnis von Forschung in der Architektur bis heute prägt und auf dem besten Wege ist, zu einer populären Signatur einer zukünftigen Experimentiergesellschaft zu avancieren.

ARCH+ features 11 — Marc Frohn FAR und Georg Vrachliotis

Foto: David von Becker

Marc Frohn vom Büro FAR stellte das kürzlich fertiggestellt temporäre Goethe-Institut in Santiago de Chile und Arbeitsstrategien und architektonische Ansätze des Büros vor. Mit vergleichsweise geringem Aufwand konnten FAR im unvollendeten Geschoss eines Bürohochhauses ein Gestaltungskonzept für einen höchst flexiblen und adaptierbaren Raum umsetzen, dessen Elemente später auch im sanierten Institutsgebäude weiterverwendet werden soll. Georg Vrachliotis reflektiert über die Systembauten und Computerforschung des Schweizer Architekten Fritz Haller.

Ausstellungseröffnung Architektur Galerie Berlin — Christ & Gantenbein mit Georg Vrachliotis

Ausstellungseröffnung: 3. November 2011, 19 Uhr 
Einführung: Georg Vrachliotis

“Nach Abschluss ihres Studiums an der ETH Zürich reisten Emanuel Christ und Christoph Gantenbein 1998 mit einem Stipendium der Ernst Schindler Stiftung zwei Monate lang durch Italien. Diese klassische „Italienreise“ führte von Verona über Vicenza, Venedig, Padua und Ravenna nach Bologna, weiter über Rimini und Urbino nach Arezzo und Florenz. Von dort ging es über Siena, Pienza, Bagnaia und Caprarola nach Rom und zuletzt nach Neapel. Im Verlauf der Reise entstanden rund 1.200 Dias von Gebäuden, Räumen und Orten, die sie gezielt aufsuchten oder auf die sie zufällig trafen. Diese Aufnahmen bilden nun den Mittelpunkt der Ausstellung, in der sie auf indirekte Weise das Architekturverständnis von Christ & Gantenbein illustrieren. Das Spektrum der mit einem einfachen Diaprojektor an die Wand geworfenen fotografischen Eindrücke reicht dabei von klassischen Bauwerken über Ikonen der Moderne bis hin zu anonymen Zeugnissen italienischer Baukultur. Ein Audio-Kommentar, in dem Emanuel Christ und Christoph Gantenbein die Bilder deuten und den Einfluss ihrer Italienreise auf ihr Architekturverständnis erläutern, vervollständigt die visuelle Reise. Auf der Grundlage subjektiver Eindrücke vermittelt die Ausstellung so mittels atmosphärischer, systemischer und konkreter Referenzen eine zeitgenössische Architekturposition. Integraler Bestandteil des Ausstellungskonzepts ist das parallel erscheinende Buch „Pictures from Italy“, das Bilder der Architektur von Christ & Gantenbein mit Aufnahmen ihrer Italienreise konfrontiert.”

 

WS 2011/12 Netz. Organisationsform und Leitmetapher

Foto: Naturstudien, Copyright: Frei Otto Werkarchiv, saai/KIT.

Netze gelten als besondere Form der Raumkonstruktion. Als Netzwerke können sie sowohl natürlich als auch technisch sein und lassen gerade deshalb die tradierte Unterscheidung von Natur und Kultur fraglich werden. Einerseits sind Netze einfache abstrakte Artefakte aus Knoten, Verknüpfungen und Relationen, andererseits ermöglichen und organisieren sie fortwährend neue vielschichtige Handlungs- und Erfahrungsräume. Die raumverwaltende Eigenschaft von Netzwerken wird besonders mit Blick auf die Geschichte von Infrastrukturen deutlich. Im 19. Jahrhundert hatten natürliche Räume neue Strukturen erhalten, die in erster Linie von technischen Netzwerken konstruiert und organisiert wurden: Karten, Diagramme und Graphen brachten Landschaften und Städte erstmals topographisch in einen systematischen Zusammenhang, Verkehrs- und Transportsysteme veränderten die Erreichbarkeit und Bedeutung von Ortschaften grundlegend und Kommunikationssysteme ordneten Daten- und Informationsflüsse und kontrollierten das Wissen als neue gesellschaftliche Ressource. Diese infrastrukturelle Vernetzung des Raumes brachte nicht nur neue Wahrnehmungsformen von Architektur und Stadt hervor, sondern legte auch die Grundlagen für eine medientechnisch kontrollierte Verwaltung der Umwelt, als Modellierung und Simulation. Mitte des 20. Jahrhundert begann eine neue Blütezeit der Netze. Im Licht von Automation, Kybernetik und Industriellem Bauen entwarfen Architekten Raumstrukturen, Wohnkapseln und globale Kommunikationssysteme. „Vernetzung“ hieß das Zauberwort, das in der damaligen Faszinationsrhetorik nicht selten in einem Atemzug mit der Auflösung des architektonischen Objektes und der Entmaterialisierung der Architektur genannt wurde.

Heute strahlt der Begriff eine eigentümliche Vertrautheit aus. Nicht trotz – sondern gerade wegen dieser Vertrautheit soll erneut nach dem Bedeutungsspektrum von Netzen/Netzwerken gefragt werden. Wie lässt sich heute über Netze von einem architektonischen Standpunkt aus diskutieren? Wie bedingen sich Netzwerk und Infrastruktur? Und welche Rolle spielt der Begriff des Netzes für den Entwurf städtebaulicher und gesellschaftlicher Utopien? Es geht um eine kritische Annäherung an einen Begriff, dessen Vielschichtigkeit das gesellschaftliche Selbstverständnis der Architektur und Stadtplanung grundlegend geprägt hat und zu einer schillernden Leitmetapher der Gegenwart avanciert ist.

Im Seminar steht eine begriffs- und architekturgeschichtliche Betrachtung von Infrastruktur-
netzen im Mittelpunkt. Ziel des Seminars ist, erstens, einen Überblick über das historische Gefüge zu bekommen, aus dem Infrastrukturnetze in Deutschland und Europa in den letzten 150 Jahren entstanden sind – kulturell, geographisch, politisch. Und, zweitens, anhand konkreter Fallstudien, Bausteine für ein infrastrukturell vernetztes Stadt- und Architekturverständnis zu entwickeln.


 
 
Karlsruher Institut für Technologie
Fakultät für Architektur
Institut Entwerfen, Kunst und Theorie

Fachgebiet Architekturtheorie
Englerstr. 7, Raum 254
D-76131 Karlsruhe
 
Leitung: Prof. Dr. Georg Vrachliotis
 
Sekretariat: Claudia Iordache
Tel.: +49 721 60845052
architekturtheorie@ekut.kit.edu
 
Öffnungszeiten: Mo-Mi 9:00-12:00
 
 
 
Recent Publications:  
 

    Frei Otto, Carlfried Mutschler, Multihalle

    May 18, 2018

    Georg Vrachliotis: Frei Otto, Carlfried Mutschler, Multihalle, Spector Books, Leipzig, 2017.

     
     

    Frei Otto. Thinking by Modeling

    May 18, 2018

    Georg Vrachliotis and Joachim Kleinmanns, Martin Kunz, Philip Kurz (ed.), Frei Otto. Thinking by Modeling, Spector Books, Leipzig, 2017.

     
     

    Fritz Haller: Architekt und Forscher

    May 18, 2018

    Laurent Stalder und Georg Vrachliotis (Hg.): Fritz Haller: Architekt und Forscher (Dokumente zur modernen Schweizer Architektur), gta Verlag, ETH Zürich, 2016.

     
     

    Geregelte Verhältnisse: Architektur und technisches Denken in der Epoche der Kybernetik

    May 18, 2018

    Vrachliotis, Georg (2012): Geregelte Verhältnisse: Architektur und technisches Denken in der Epoche der Kybernetik. Springer-Verlag Wien

     
     

    Structuralism Reloaded. Rule-Based Design in Architecture and Urbanism

    May 18, 2018

    Valena, Tomáš; Avermaete Tom; Vrachliotis, Georg (Hg.)(2011): Structuralism Reloaded. Rule-Based Design in Architecture and Urbanism. Edition Axel Menges, Stuttgart/London

     
     

    Code: Zwischen Operation und Narration

    May 18, 2018

    Gleiniger, Andrea; Vrachliotis, Georg (Hg.)(2010): 



 Code: Zwischen Operation und Narration. Reihe Kontext Architektur, Birkhäuser, Basel Ÿ Boston Ÿ Berlin

     
     

    Muster: Ornament, Struktur und Verhalten

    May 18, 2018

    Gleiniger, Andrea; Vrachliotis, Georg (Hg.)(2009): 



 Muster: Ornament, Struktur und Verhalten. Reihe Kontext Architektur, Birkhäuser, Basel Ÿ Boston Ÿ Berlin

     
     

    Komplexität: Entwurfsstrategie und Weltbild

    May 18, 2018

    Gleiniger, Andrea; Vrachliotis, Georg (Hg.)(2008): 



 Komplexität: Entwurfsstrategie und Weltbild. Reihe Kontext Architektur, Birkhäuser, Basel Ÿ Boston Ÿ Berlin

     
     

    Simulation: Präsentationstechnik und Erkenntnisinstrument

    March 12, 2018

    Gleiniger, Andrea; Vrachliotis, Georg (Hg.)(2008): 



 Simulation: Präsentationstechnik und Erkenntnisinstrument. Reihe Kontext Architektur, Birkhäuser, Basel Ÿ Boston Ÿ Berlin